Zwei Betriebe, zwei Wege: Erfahrungen aus Schwerin und Umgebung

Im Interreg-Projekt eRural resilience haben wir einen Betriebs-Check entwickelt. Er hilft kleinen Bio-Betrieben, ihren Stand einzuschätzen und die nächsten Schritte zu planen. Zwei Betriebe aus der Region haben uns erzählt, wie sie arbeiten, wie sie ihre Kundschaft erreichen und was sie anderen raten würden.

Schorsch’s Garten, Holthusen: Gemüse im Abo

https://youtu.be/fXxXwAdSJqI

Georg Lemke ist Bankkaufmann und hat Wirtschaft studiert. Auf einer längeren Reise entstand die Idee, Gemüse anzubauen und davon zu leben. Zuerst hat er nur für Familie und Freunde gegärtnert. Nach etwa drei Jahren kam der erste Verkauf dazu.

Heute machen Gemüsekisten im Abo rund 95 Prozent des Geschäfts aus. Die Kundschaft holt von Mai bis Oktober jede oder jede zweite Woche ihre Kiste ab. Alles stammt aus eigenem Anbau. Den losen Verkauf hat der Betrieb ausprobiert und wieder aufgegeben. Beim Abo ist klar, dass die Ernte auch verkauft wird.

Neue Kundschaft kommt vor allem über Empfehlungen. Dazu kommen Handzettel, eine Website, ein Newsletter und etwas Social Media. Für die Vermarktung geht etwa ein Fünftel der Arbeitszeit drauf, am Saisonanfang mehr.

Den Betriebs-Check hat Georg Lemke gemeinsam mit einem Berater von RegioVision durchlaufen. Er fand ihn gut aufgebaut und hilfreich, um mit einem fremden Blick auf den eigenen Betrieb zu schauen. Die Antwortmöglichkeiten passten aber nicht immer genau zu den Fragen. Das Gespräch hat ihn in seinem Weg bei der Digitalisierung bestätigt. Es hat ihn auch angeregt, über weitere Absatzwege für Überschüsse nachzudenken. Einen Wunsch hat er: feste Ansprechpartner vor Ort und eine Checkliste, was man bei einer Gründung erledigen muss. In den nächsten Jahren möchte er den Umsatz um 20 bis 30 Prozent steigern. Gemeinsames Marketing mit anderen kleinen Betrieben in der Region wäre für ihn eine Möglichkeit dafür.

Mühlenbäckerei: Demeter-Brot für Norddeutschland

https://youtu.be/UdXRjwRLMtc

Christian Fries ist Demeter-Landwirt und Bäckermeister. Er stammt aus Rheinland-Pfalz und hat die Mühlenbäckerei 1997 auf dem Demeter-Hof Medewege in Schwerin gegründet. Die Bäckerei verarbeitet das Getreide des Hofs und mahlt es in einer eigenen Natursteinmühle. Schwerin als Absatzgebiet liegt direkt vor der Tür, und viele Menschen aus der Stadt kaufen im Hofladen ein.

Die Backwaren gehen heute fast in ganz Norddeutschland in den Handel. Auch das Gutshaus Stellshagen bezieht sein Brot von hier. Abnehmer sind vor allem Bioläden, Bio-Supermärkte und Großhändler in Hamburg und Rostock. Hamburg wird täglich beliefert, Kiel ebenfalls direkt. Brot wird auch online verkauft und per Expressversand verschickt: heute gebacken, morgen bei der Kundschaft. Es ist ein kleiner Shop, aber täglich gehen Pakete raus. Viele Bestellungen kommen von Urlaubsgästen, die das Brot an der Küste kennengelernt haben und Stammkunden geworden sind.

Drei seiner Kinder haben Verantwortung im Betrieb übernommen. Zwei Söhne sind Bäckermeister, die Tochter ist Konditorin und Betriebswirtin des Handwerks. Christian Fries hat bereits Anteile abgegeben, hält aber noch den größten Teil. Die Aufgaben neu zu verteilen ist ein Prozess, der noch läuft. Dazu kommt ein schwieriges Umfeld: Viele Kundinnen und Kunden kaufen Bio inzwischen beim Discounter, und die Energiekosten sind hoch.

Betrieben, die vor einem Generationswechsel stehen, rät er: strukturiert vorgehen, viel Zeit einplanen und sich früh Unterstützung holen, etwa von Juristen oder Betriebsberatern.

Zum Projekt

eRural resilience wird aus dem Interreg-Programm Ostseeraum gefördert. 14 Organisationen aus sieben Ländern entwickeln darin Werkzeuge für Wirtschaftsförderungen, Kammern und Beratungsstellen. Damit können sie kleine Betriebe im ländlichen Raum bei Bio-Erzeugung und Online-Vermarktung unterstützen. RegioVision ist der deutsche Projektpartner. Der Betriebs-Check und ein Videokurs bleiben auch nach Projektende kostenfrei nutzbar: erural.eu

Wir danken Georg Lemke und Christian Fries für ihre Zeit und ihre Offenheit.